13.10.2018

PresseclubTalk „Rechtspopulismus“ : Fragen der Herkunft und Anerkennung wesentliche Ursachen

Große Resonanz beim PresseclubTalk im Stadtmuseum: Über das Thema "Schafft das unsere Demokratie? Rechtspopulisten überschreiten Grenzen" diskutierten der Investigativ-Journalist Olaf Sundermeyer, der vor kurzem sein Buch „Gauland“ veröffentlicht hat, und die Direktorin des Albertinums Dresden, Hilke Wagner. Die Diskussion leitete der Kasseler Journalist Wolfgang Blieffert.

PresseclubTalk im Stadtmuseum mit Wolfgang Blieffert, Hilke Wagner und Olaf Sundermeyer. (Foto:Birmes)

Die Diskussion war keine Kaffeesatzleserei, sondern geprägt von der Schilderung eigener Erfahrungen und  Recherchen, auch von Hassausbrüchen und Aggressivität gegen die eigene Person.

Olaf Sundermeyer berichtet seit langem über die rechte Bewegung in Deutschland und war auch als Berichterstatter in Chemnitz und Köthen vor Ort. Längst weiß man, dass es nicht nur ein ostdeutsches Phänomen ist, aber dort sehr ausgeprägt - warum? Seine Meinung nach ist es ein Erbe der Staatspolitik der ehemaligen DDR .Man habe die Arbeiter aus Kuba oder Vietnam nicht integrieren wollen. Darum haben die Menschen im östlichen Teil Deutschlands wenig Erfahrung im Umgang mit Fremden, sie haben Angst durch vermeintliche Überfremdung etwas zu verlieren. Sundermeyer:“ Rechte Gewalt bedeutet immer Angst vor Überfremdung“.

Die Pegida-Bewegung in Dresden habe eine besonders drastische Dimension erreicht. Es dürfte aber nicht der Eindruck entstehen, dass es im Westen kein neonazistisches Gedankengut gebe. Dortmund gelte als Neonazi Hochburg.

Die aus Kassel stammende Kunsthistorikerin Hilke Wagner hat in ihrer Funktion am Albertinum  Erfahrungen gemacht, die deutlich machen, dass die Probleme der Menschen in Ostdeutschland tiefer liegen, als der Protest gegen die Flüchtlingspolitik vermuten lässt. In Dresden stritt man um DDR-Kunst und ob sie ausreichend gewürdigt wird. Hilke Wagner erlebte eine heftige Kritikwelle von Dresdnern Bürgern mit dem Tenor, Bilder mit denen sie sich verbunden fühlten seien nicht mehr zu sehen. Wagner entgegnete, dass nichts ins Depot „entsorgt“ worden sei, sondern dass kontinuierlich umgehängt oder auch verliehen worden sei. Nach einer kleinen Anfrage der AfD wurde durchgezählt. 77 Werke, die zwischen 1949 und 1989 in Ostdeutschland entstanden waren, hingen den Räumen des Albertinum. Die Wogen des Bilderstreits glättete eine große Debatte mit 16 Experten und 600 Dresdnern im Albertinum. Es wurde klar, dass es nach fast 30 Jahren des Mauerfalls immer noch um Fragen der Herkunft und Anerkennung geht. G.-M. Birmes

  

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