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24.08.2017

Irene Graefe präsentierte Arbeit von Ulrich Wüst


Irene Graefe hat einen besonderen Bezug zu ihrem Lieblingskunstwerk. Bereits vor der Eröffnung der documenta kam ihr Cousin nach Kassel. Er kennt den Magdeburger Fotografen und Stadtplaner Ulrich Wüst schon aus Vor-Wende-Zeiten. Auf der documenta informierte er sich vorab, wie die Präsentation der Arbeiten von Wüst, den er als Galerist vertritt, vor Ort aussieht.


Irene Graefe (5.v.l.) zeigte ihr "documenta-Lieblingskunstwerk"


Irene beherbergte ihren Verwandten und gewann (Ein-)blicke in die Arbeit hinter den Kulissen. Sie verriet, dass weder Künstler noch Galerist begeistert sind von dem Standort der Arbeit im Zwischengeschoss der Hauptpost. Und doch sind die postkartengroßen Schwarzweiß-Fotos, die der aus der DDR stammende Künstler in bestimmten Zeiträumen aufnahm, eine Entdeckung. Darin waren sich alle Presseclubmitglieder und Gäste einig. Die Orte, die vor, während und nach der Wende fotografiert wurden, sind menschenleer und geben einen unverstellten Blick auf Landschaft und urbane Räume. Ab den neunziger Jahren tauchen statt der DDR- Propagandaplakate westliche Werbeplakate auf, manche Bilder zeigen Dorfränder, andere sind in den Straßen von Magdeburg und anderen Städten entstanden.
Ohne Farbe und ohne Menschen nahmen wir das überwiegend trostlose Umfeld wahr. Klar war: Solche Orte existieren ebenso im Westen. Und für eine unserer Teilnehmerinnen sind die Fotos ein  Sinnbild für die Einsamkeit, das Auf-sich-gestellt-Sein des Menschen.
(Text und Foto: Dr. Andreas Knierim und Elke Bockhorst)