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20.04.2017

PresseclubTalk mit Prof. Schicha: Social Bots und Fake News


Fake News, Propaganda-Roboter, Big-Data-Analysen sind effektive Werkzeuge. Sie haben die Politik erreicht und das globale Machtgefüge erschüttert. Großbritannien verlässt die EU, ein Außenseiter wird trotz zahlreicher Fake News im Wahlkampf US-Präsident. Professor Dr. Christian Schicha, Medienwissenschaftler der Universität Nürnberg-Erlangen, unterstrich im PresseclubTalk zum Thema „Fake News und Social Bots- Herausforderungen für die Glaubwürdigkeit der Medien?“, dass seiner Meinung nach rund 20 Prozent der Twitter-Beiträge von Social Bots gesteuert werden.


Großes Interesse am PresseclubTalk in der HNA zum Thema Social Bots und Fake News. (Foto:Birmes)


Programm steuert

Twitter- Account

Nach Angaben von Prof. Schicha agieren die Computerprogramme in sozialen Netzwerken wie richtige Nutzer. Mit Hilfe von Big-Data-Algorithmen finden sie das richtige Publikum für ihre Botschaften. Ein Social Bot ist ein automatisiert gesteuerter Account in einem sozialen Medium. Das kann ein Twitter-Account sein, das kann ein Facebook-Account sein. Und es steckt nicht ein Mensch, sondern ein Programm dahinter, welches diesen Account steuert. So können Social Bots anworten, eine Diskussion führen, über mehrere Themen twittern und auf seriöse Quelle verweisen.

Fake News kein

neues Phänomen

Ein weiteres Thema des PresseclubTalks waren Fake News. Als Fake News werden lancierte und  veröffentlichte- also absichtliche Falschaussagen  oder  Falschmeldungen bezeichnet, die sich überwiegend im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken und anderen sozialen Medien zum Teil viral verbreiten und auch von Journalisten aufgegriffen werden. Fake News können auch eine Spielart von Satire sein. Christian Melzer, dpa-Pressesprecher aus Hamburg und die Presseclub-Vorsitzende Petra Wettlaufer-Pohl skizzierten wie Medien durch zusätzliche Recherchen agieren,  um „verdächtige „ News aus unsicheren Quellen  zu überprüfen. Eine zweite Quelle  ist unabdingbar. Fake News sind übrigens nicht nur ein aktuelles Phänomen: bereits Ende des 19. Jahrhunderts  bezeichneten die Engländer bewusste Falschmeldungen in Zeitungen als Fake News. Zu einem stehenden Ausdruck wurden sie aber erst ab dem Jahr 2000, zunächst vor allem zur Benennung satirischer Nachrichtenmagazine. Falsche Sensationsreportagen in der Yellow Press, gefälschte Hitler-Tagebücher im Stern, Rügen des Presserats wegen Fake News gegen die Bild-Zeitung- die Reihe ließe sich bis heute fortsetzen.                                                          G.-M. Birmes